Negativschlagzeilen und Kirchenaustritte – für die christlichen Kirchen waren
die letzten Jahre keine leichten. Wie ist es angesichts des schwierigen Umfelds um die konfessionelle Presse bestellt? Das Fazit: erstaunlich gut! Wir sprachen mit Arne Biemann, Vorstandsvorsitzender und Werner Jakobartl, Geschäftsleiter des Vermarkters KONPRESS-Medien eG.

Sehr geehrter Herr Biemann, nicht jeder impresso-Leser wird vertieftes Know-how über die konfessionelle Presse besitzen. Sind Sie so nett und geben uns einen kurzen Überblick?

Arne Biemann wurde 2018 neu in den KONPRESS-Vorstand gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Michael Bachem an

Arne Biemann: Die konfessionelle Presse in Deutschland besteht aus etwa 45 katholischen und evangelischen Wochenzeitungen mit ca. 700.000 Abonnenten, ca. zehn Monats- und Zweimonatstiteln (ca. 100.000 Abonnenten), etwa sechs Mitgliederzeitungen mit ca. 5 Mio. Auflage und etlichen Fachpublikationen wie zum Beispiel das Deutsche Pfarrerblatt. Darüber hinaus gehört zur konfessionellen Presse noch eine große Anzahl an Kirchenwebseiten. Die KONPRESS-Medien eG ist in dieser Branche der Vermarkter mit den meisten Titeln. Sie betreut das nationale Mediengeschäft und ist genossenschaftlich organisiert.

Das ist ein beachtliches Volumen. Wie stellt sich das Kerngeschäft der KONPRESS-Medien eG dar und wie hat sich dieses sich im letzten Jahrzehnt verändert, Herr Jakobartl?

Werner Jakobartl: Das Kerngeschäft der KONPRESS ist die Funktion einer Verkaufs-Agentur sowie eines Dienstleisters für seine Mitgliedsverlage. Als Verkaufs-Agentur versuchen wir so viele Kunden wie möglich für unser Mitglieder und Vertragspartner zu akquirieren. Unsere satzungsgemäße Aufgabe ist die wirtschaftliche Förderung und Betreuung unserer Genossenschafts-Mitglieder. Als Dienstleister stellen wir in den Bereichen Disposition, Marketing und Abwicklung den Verlagen moderne Hilfsmittel zur Verfügung wie Leseranalysen und ein einheitliches Preissystem.

Werner Jakobartl (54) ist seit September 2014 Geschäftsleiter beim Vermarkter KONPRESS

Die Genossenschaft hat in den vergangenen vier Jahren mehrere neue Mitglieder aufgenommen. Dazu gehören so renommierte Titel wie Christ & Welt aus der ZEIT-Gruppe sowie den national aufgestellten katholischen Titel Die Tagespost. Die neuesten Objekte im KONPRESS-Portfolio sind die vom Allgäuer FE-Verlag verlegten Magazine Vatican-Magazin und PUR-Magazin. Aber auch die Steyler Missionare haben sich dazu entschieden, mit der KONPRESS-Medien eG zusammen zu arbeiten. Dabei haben sie ähnlich wie der Speyerer Peregrinus-Verlag (Der Pilger) einen Kiosktitel im Portfolio: Der Name: Klosterwelten.

Arne Biemann: Heute hat die KONPRESS-Medien eG acht Mitarbeiter in Frankfurt am Main und vier Handelsvertretungen. Sie wird von ehrenamtlich fungierenden Vorstand und Aufsichtsrat beaufsichtigt, die aus der Geschäftsführung der jeweiligen Mitgliedsverlage gestellt werden. Die KONPRESS schüttet den Gewinn zu 100 % an ihre Mitglieder aus und ist damit das ideale Werkzeug in einem heiklen Bereich. Die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre kann sich sehen lassen. Wir sind hier sehr zufrieden.

Apropos Umsatz: Welche Kundengruppen schalten Werbung in konfessionellen Titeln?

Werner Jakobartl: Die KONPRESS-Titel sind bekannt für die gute Messbarkeit in Sachen Response. So können wir seit vielen Jahren die Versandartikler (Waschbär, Witt Weiden, Walbusch u.a.) zu unseren Kunden zählen. Ein weiterer sehr wichtiger Kundenbereich sind die Spendenaufrufe von Nonprofit-Organisationen. Unsere Leserschaft ist durch ihre christliche Prägung sehr spendenfreundlich. Dritter und vierter Kundenschwerpunkt sind „OTC“ und Reisen. Auch hier haben unsere Kunden gute Verkaufszahlen erreichen können und sind seit vielen Jahren dabei. Eine 2017 durchgeführte Leserstudie belegt, dass wir eine über dem Bundesdurchschnitt wohlhabende Klientel als Leser haben, die über 60 Jahre alt und sehr reiseaktiv ist. (Anm. d. Red.: https://KONPRESS.de/studien/KONPRESS-va/)

Das Image der großen christlichen Kirchen hat stark gelitten, viele Kirchenaustritte folgten. Was sind die größten Herausforderungen, denen Sie derzeit begegnen müssen?

Arne Biemann: Wir sind mit der Entwicklung der KONPRESS in einem zweifellos schwierigen Umfeld sehr zufrieden. Wir Verlage haben hier eine gut funktionierende, überkonfessionelle Organisation, die mehr kann als nur stabile Verkaufszahlen abzuliefern. Die Herausforderung besteht darin, den kontinuierlichen Rückgang der Abonnementszahlen der einzelnen Mitgliedsverlage durch den Auf- und Ausbau anderer Erlösmodelle auszugleichen.

„Die KONPRESS-Titel sind bekannt für die gute Messbarkeit in Sachen Response.“ Arne Biemann

Welche Erlösmodelle meinen Sie damit konkret?

Arne Biemann: In vielen katholischen Bistümern wird sich intensiv mit „Mitgliederzeitungen“ beschäftigt. Im Erzbistum Köln werden beispielsweise jedes Jahr zwei Titel mit einer Auflage von mehr als 1,3 Mio. Exemplaren herausgegeben. Die KONPRESS vermarktet hier einen Teil der Titel bereits mit wachsendem Erfolg (z. B.: Adventszeit und BENE). Dies hat meines Erachtens aus Sicht der KONPRESS ein großes Potential, um mehr Erlöse auf dem Markt für kirchliche Einrichtungen zu erwirtschaften und damit eine Finanzierung dieser journalistisch gut gemachten Titel sicherzustellen.

Wie sieht sich die konfessionelle Presse derzeit in punkto Digitalisierung aufgestellt? Was passiert hier in der Vermarktung?

Werner Jakobartl: Die KONPRESS hat 24 konfessionelle Webseiten in ihrer Vermarktung zusammengeführt und kann Kunden auf nationaler Ebene einheitliche Bannerformate anbieten, die innerhalb von 24 Stunden auf allen Webseiten zu sehen sind. Einheitliches Pricing, schnelle Bearbeitung und seriöse Besucherstatistiken sind die Basis für ein derzeit ansteigendes Onlinegeschäft.

Die Vermarktung hat unser Partner Quartermedia aus Hamburg übernommen. Hier sind die 24 kirchlichen Webseiten von der KONPRESS über ein vereinfachtes System online buchbar. Wir reden hier von einer Reichweite von einer Million Ad Impressions, die wir pro Monat derzeit anbieten können – Tendenz steigend. Die KONPRESS ist derzeit auch mit einigen weiteren konfessionellen Webseiten in der Diskussion, um deren Vermarktung zu übernehmen. Wir müssen hier mit viel Fingerspitzengefühl vorangehen, da die User dieser Webseiten ein anderes Werbeempfinden haben als der Durchschnitts-User in Deutschland. Dieses Fingerspitzengefühl ist in der KONPRESS ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Arbeit. Wir sind hier noch am Anfang der Möglichkeiten.

„Die Genossenschaft hat in den vergangenen vier Jahren mehrere neue Mitglieder aufgenommen.“ Werner Jakobartl

Inwieweit haben neue Konzepte der so genannten Mindshape-Magazine Einfluss auf Ihre Märkte? Oder – anders gefragt – von wo weht Ihnen der stärkste Wind entgegen?

Arne Biemann: Wir haben das große Glück, dass uns unsere Kunden schon viele Jahre lang die Treue halten. Sie gehen sogar mit uns neue Wege. So haben wir z.B. den Weg des Titels Der Pilger an den Kiosk mit unseren Kunden gehen können. Und um Ihre Frage aufzugreifen. Wir haben derzeit keinen Gegenwind, sondern wir sind – mit Ausnahme der Auflagenentwicklung der Mitgliedsverlage – eigentlich sogar ganz glücklich wie sich alles bewegt.

Wie wichtig ist bei Ihnen das Segment Veranstaltungen – Messen, Kongresse, (Pilger-)Reisen, etc.?

Arne Biemann: Eine Mehrheit der 36 in der KONPRESS organisierten Verlage haben eigene Firmen oder Abteilungen aufgebaut, die das Segment „Reisen“ betreuen. Dies ist nicht die Aufgabe der KONPRESS; allenfalls für den Gedankenaustausch und den konfessionellen Anbietern ist sie zuständig. Einige der Verlage sind jedoch untereinander sehr stark im Austausch und arbeiten mit einigen Reiseanbietern übergreifend zusammen.

Wie eng und wie wirksam ist die Vernetzung von Medienhäusern mit konfessionellen Titeln – oder gibt es ökumenische Hürden?

Werner Jakobartl: Die KONPRESS existiert seit 49 Jahren und wird nächstes Jahr ihren 50sten Geburtstag feiern. Von Anfang an war sie überkonfessionell für katholische und evangelische Wochenzeitungen konzipiert. Es gibt sogar zwischen einzelnen Verlagshäusern konfessionsübergreifend eine gute Zusammenarbeit. So werden beispielsweise für den ökumenischen Kirchentag 2021 der evangelische und der katholische gastgebende Verlag eine gemeinsame Publikation herausgeben. Eine Bündelung der Kräfte und Kompetenzen ist angesagt. Wichtig z.B. ist auch die Tatsache, dass der Vorstand der KONPRESS-Medien eG mit einem Vertreter eines katholischen und eines evangelischen Verlags besetzt ist. Weniger aus paritätischen Gründen als vielmehr aus der Tatsache heraus, dass die beiden Kirchen unterschiedlich strukturiert sind. Damit kann das Strukturwissen beider Kirchen über diese Art der Besetzung der Gremien in die KONPRESS-Arbeit einfließen.

Auf katholischer Seite gibt es ebenfalls positive Beispiele von guter Zusammenarbeit. Hier sei zuvorderst die Verlagsgruppe Bistumspresse genannt, die in Sachen Redaktion u.a. schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Auch auf der evangelischen Seite gibt es einen Arbeitskreis, der regelmäßig an einer engeren Verzahnung der evangelischen Titel arbeitet.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Biemann und Herr Jakobartl! ●


Fotos: KONPRESS-Medien eG


Der Artikel ist erschienen in der Printausgabe der impresso Nr. 3/2019