Werben mit Mitarbeiterfotos?

Von Rechtsanwalt Dr. Michael Rath-Glawatz, Hamburg

39. RECHTS § RATH
In unserer mehrteiligen Serie schreibt der Medienrechts­experte über knifflige Rechtsfragen aus der verlegerischen Praxis.

Verlage werben gern – auch mit Fotos ihrer Mitarbeiter, etwa in hauseigenen Prospekten, auf den eigenen Online-Portalen usw. Die Fotos der eigenen Mitarbeiter sind oft schnell und bequem zur Hand, man spart als Verleger (hoffentlich) Foto- und Model-Honorare, und es gibt sicherlich auch bei Ihnen Mitarbeiter, die sehr fotogen sind. Und außerdem wollen andererseits die Kunden und Interessenten ja schließlich auch sehen, mit wem sie es in dem Unternehmen zu tun haben.

Gleichwohl ist Vorsicht geboten.

Die Verwendung von Personenfotos (insbesondere Porträtaufnahmen) bedarf – von wenigen Ausnahmen abgesehen – stets der Einwilligung der aufgenommenen Person(en). Diese Einwilligung kann auch stillschweigend erteilt werden. Es gibt gute Gründe, wenn ein Arbeitgeber (der Verlag) der Meinung ist, der Mitarbeiter habe zugleich mit dem Eintritt in die Firma stillschweigend darin eingewilligt, dass sein Foto für Unternehmenswerbezwecke verwendet werden darf. Mit Blick auf den Trend in der Rechtsprechung dürfte der Verlag jedoch gut beraten sein, wenn er sich vor Verwendung der Mitarbeiterfotos eine schriftliche Einwilligung der Mitarbeiter einholt. Und sollte der Mitarbeiter sich sträuben, so tut der Verlag gut daran, nicht auf die Zustimmungserteilung zu drängen.

Holt der Verlag eine schriftliche Einwilligung zur Verwendung des Mitarbeiterfotos ein, so sollte darin – neben der Benennung des konkreten Verwendungszweckes – zugleich auch klargestellt werden, dass die Nutzung honorarfrei geschehen darf.

Stellen sich die Mitarbeiter Ihres Verlags – freiwillig (!) – zum Gruppenfoto auf, so bedarf es keiner ausdrücklichen schriftlichen Einwilligung jedes einzelnen Mitarbeiters. Denn derartige Gruppenaufnahmen sind nach dem Kunsturhebergesetz (KUG) genehmigungsfrei zulässig. Anderes gilt wiederum dann, wenn Mitarbeiterfotos zu einer Kollage zusammengestellt würden. Denn dann wird jedes einzelne Foto verwendet, nicht eine (gestellte) Gruppenaufnahme.

Neben der Frage, ob dem Verlag als Arbeitgeber eine Einwilligung des Arbeitnehmers zur Fotonutzung vorliegt (vorliegen muss), gilt es auch zu prüfen, ob dem Verlag jeweils die urheberrechtlichen Nutzungsrechte an dem Mitarbeiterfoto zustehen, das er zur Verlagswerbung verwenden will. Sind die Mitarbeiterfotos vom Verlag bei der Einstellung oder bei anderen (dienstlichen) Anlässen gemacht worden, so liegen die Nutzungsrechte im Rahmen des durch die Einwilligungserklärung bestimmten Nutzungszweckes beim Arbeitgeber. Stammt das Foto dagegen vom Mitarbeiter, so ist stets sorgsam abzuklären, ob der Mitarbeiter überhaupt in der Lage ist, dem Verlag das Recht zur Nutzung des Fotos zu Werbezwecken einzuräumen.

Und sollte sich auf dem Foto noch eine weitere Person befinden, die kein Mitarbeiter ist, so wäre zudem zu prüfen, ob diese Person damit einverstanden ist, dass ihr Bildnis ebenfalls für Verlagswerbezwecke genutzt wird.

Und hat der Verlag dann – gegebenenfalls mit viel Mühe und ebenso hohen Kosten – das Werbematerial mit dem Foto des Mitarbeiters erstellt, dann kommt es wie es kommen muss: Der Mitarbeiter kündigt – oder wird gekündigt. Muss dann der Verlag das Foto des nunmehr ehemaligen Mitarbeiters löschen?

Insoweit dürfte es zunächst einmal nicht ausreichen, wenn der Mitarbeiter – aus Verärgerung, Rache oder anderen eher emotionalen Gründen – das Foto schlicht gelöscht sehen will. Wenn aber von Seiten des ehemaligen Mitarbeiters tatsächliche Gründe vorgetragen werden (können), aus denen es für ihn (oder seinen neuen Arbeitgeber) unzumutbar ist, wenn sein alter Arbeitgeber noch mit dem Foto des ehemaligen Mitarbeiters wirbt, dann darf das Foto nicht mehr zu Werbezwecken verwendet werden. Dies wäre etwa dann der Fall, wenn in einem Verlagsflyer mit dem Foto einer Vertriebsmitarbeiterin für Abonnements geworben wird, die Mitarbeiterin aber in die Vertriebsabteilung der Konkurrenz gewechselt ist.

Fazit:
Es will also gut überlegt sein, ob und wie man Mitarbeiterfotos für eigene Verlagswerbezwecke einsetzen will. Stolperfallen gibt es genug. Da ist Vorsicht geboten! ●


Der Text ist Mitte September 2018 in Papierform in der impresso 3_2018  veröffentlicht worden.

2019-02-19T14:14:48+00:00 19. Februar 2019|

impresso