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Nicht in die Foto­-Falle tappen

Nie war es so einfach, an passendes Bildmaterial zu kommen. Und dass es so etwas wie Urheberrechte, Nutzungs­rechte und Persönlichkeits­rechte gibt, sollte jedem Redakteur bekannt sein. Trotzdem passiert es immer wieder, dass Verlage Ärger kriegen, weil sie genau das nicht beachtet haben.

Von Michaela Rath-Glawatz

Nie war es leichter für Redaktionen, an Fotos zu kommen als heutzutage. So öffnet zum Beispiel das Internet den Zugang auf ein ungeahntes Arsenal an digitalisiertem Fotomaterial, auf das gern und oft vorschnell zugegriffen wird.

Es bleibt angesichts dieser Bilderschwemme erst recht dabei, dass man sich in jedem Fall vorab zu vergewissern hat, ob und wie die zum Abruf bereitgestellten Aufnahmen tatsächlich nutzbar sind. Denn jede Veröffentlichung, die ohne die zumindest stillschweigende Einwilligung des Inhabers der Urheber­ und/oder der Nutzungsrechte erfolgt, ist per se schon mal rechtswidrig. Auf die Frage eines Verschuldens kommt es insoweit nicht an. Dieser Aspekt spielt erst dann eine Rolle, wenn es um Schadensersatzansprüche (Lizenzansprüche, Anwaltshonorare) geht.

Deshalb nützt es überhaupt nichts, darauf verweisen zu wollen, ein Foto sei im Internet „frei“ zugänglich. Dies mag so sein, wenn es etwa um die Nutzung für private, nicht­kommerzielle Zwecke geht. Soll das Foto jedoch für redaktionelle Zwecke, unter Umständen sogar zum Zweck der Verlagswerbung genutzt werden (was auch dann der Fall ist, wenn der mit dem Foto bebilderte Text in eine Verlagswerbung eingeblendet wird), so muss man jedes Mal vorab klären, ob eine freie Nutzung mit oder ohne Honorar erlaubt ist.

Es mag Hobbyfotografen geben, die allein schon deshalb glücklich und zufrieden sind, wenn eine Redaktion ihr Foto aus dem Internet übernimmt und abdruckt. Professionellere Laien und erst recht Fotoagenturen handeln insoweit restriktiver. Selbst wenn es noch sein mag, dass die redaktionelle Nutzung erlaubnisfrei gestattet beziehungsweise (nur) mit gleichzeitigem Urheberrechtshinweis gestattet wird, so wird doch regelmäßig ein Honorar verlangt. Dass eine werbliche Fotonutzung erlaubnis­ und honorarfrei möglich ist, dürfte die absolute Ausnahme bilden.

Erhält die Redaktion ein Foto von Dritten (per Mail), so darf ebenfalls nicht ungeprüft unterstellt werden, dass der „Einsender“ im Besitz der erforderlichen Rechte ist, um das Bild redaktionell und/oder werblich zu nutzen. Fehlen die Rechte, so ist der Abdruck rechtswidrig, der Forderung nach Abgabe einer Unterlassungserklärung ist nachzukommen. Zudem liegt ein schuldhaftes Handeln vor, wenn es die Redaktion unterlässt, sich dann, wenn es geboten ist, rückzuversichern, ob der „Einsender“ auch tatsächlich über die Rechte verfügt, die er auf den Verlag übertragen will.

Derartige Rückversicherungen erübrigen sich in der Regel, wenn das Foto von einer professionellen Agentur oder einer Behörde kommt. Ebenso wird man dann, wenn ein Dritter die Redaktion über Jahre hinweg ohne Reklamation mit Bildern „versorgt“ hat (etwa wenn Pressemitteilungen von Firmen mit Fotos zur Veröffentlichung belegt sind), davon ausgehen können, dass der „Einsender“ auch der Rechteinhaber ist.

Liegen jedoch besondere Umstände vor, die „stutzig“ machen (sollten), ist Vorsicht geboten. Dies ist etwa dann der Fall, wenn auf einem der Redaktion überlassenen Foto ein Urheberrechtshinweis eines Dritten, also nicht des „Einsenders“ aufgedruckt ist.

Aber nicht genug damit, dass die Verlage die urheberrechtliche „Lage“ richtig beurteilen müssen. Vielfach noch schwieriger ist die Frage zu klären, ob die Veröffentlichung eines Fotos nicht möglicherweise Persönlichkeitsrechte derer verletzt, die auf dem Bild abgebildet sind. Es reicht also keinesfalls aus, dass derjenige, der Fotos im Internet zum Abruf feilhält oder an Redaktionen verschickt, die erforderlichen Verwertungsrechte auf die Verlage übertragen kann. Es muss parallel auch gesichert sein, dass die Abgebildeten mit einer redaktionellen Veröffentlichung und/oder einer Nutzung im Rahmen der Verlagswerbung einverstanden sind.

Nun wird man kaum erwarten können, dass Redaktionen stets Rückfrage stellen, ob die Personen, die auf einem Foto abgelichtet sind, mit dessen Veröffentlichung einverstanden sind (manche Gerichte meinen sogar, man müsse immer auch die Abgebildeten direkt fragen). Folglich wird man sich – unter Inkaufnahme der damit verbundenen Risiken – auf die Fälle konzentrieren müssen, bei denen es auf den ersten Blick denkbar erscheint, dass Persönlichkeitsrechte verletzt sein könnten.

Dies dürfte regelmäßig der Fall sein, wenn Kinder/Jugendliche abgebildet sind, wenn die abgelichtete Person in einer unvorteilhaften Pose und/oder gemeinhin als peinlich empfundenen Situation zu sehen ist. Insoweit ist es allemal zu empfehlen, die Veröffentlichung entweder ganz zu unterlassen oder aber die Personen so zu „verpixeln“, dass sie tatsächlich nicht mehr identifizierbar sind. Mehr wird man in der Praxis nicht tun können, so dass eine vollständige Sicherheit nicht zu erreichen ist.

2017-08-21T14:14:26+00:00 22. Dezember 2013|0 Comments