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Klein­-Gedrucktes

Wer sicher sein will, dass ihm keine Abmahnungen oder Vertragsstrafen ins Haus schneien, sollte die Versandkosten seiner Zeitschrift korrekt ausweisen. Die vermeintliche Gewissheit zum Beispiel, die Abonnenten seien ausschließlich Gewerbetreibende, ist trügerisch.

Von Michaela Rath-Glawatz

Versand kostet – und manchmal sogar noch etwas drauf, wenn beispielsweise die Versandkosten von Fachzeitschriften in den Abo­Werbeunterlagen nicht korrekt angegeben sind, Abmahnungen ins Haus flattern oder gar Vertragsstrafen fällig werden.

Es mag Verlage geben, die sich darin sonnen, ihre Fachtitel gingen nur an Gewerbetreibende und nicht an Verbraucher, so dass man die Verbraucherschutzvorschriften mit Blick auf Preisangaben getrost vergessen könne. Aber woher diese (Selbst­) Gewissheit? Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass im Einzelfall auch mal der eine oder andere „Verbraucher“ eine Branchenfachzeitschrift abonnieren möchte und sich deshalb die Preisliste des Verlages anschaut, empfiehlt es sich generell, die Abo­Preisangaben so zu gestalten, dass sie „verbrauchergerecht“ sind.

Dass gegenüber Verbrauchern die Preise stets „incl. Mehrwertsteuer“ anzugeben sind, ist eine Binsenweisheit. Ebenso steht außer Frage, dass abweichende Preise für besondere Beziehergruppen ebenfalls exakt anzugeben sind (zum Beispiel für Studenten oder Berufsanfänger). Zu dem jeweils auszuweisenden „Gesamtpreis“ zählen jedoch nicht „Liefer­ und Versandkosten“.

In einschlägigen Urteilen findet sich vielfach der Hinweis, es sei „dem Verkehr“, hier also den potenziellen Abonnenten, geläufig, dass bei Printmedien neben dem Bezugspreis zusätzlich auch noch Versandkosten anfallen (können). Wenn also dem Betroffenen ohnehin bekannt ist, dass er in der Regel „noch was zuzahlen muss“, um die jeweilige Zeitschrift zugestellt zu bekommen, so könnte dies zu der Annahme verführen, über Versandkosten nicht mehr näher informieren zu müssen.

Gleichwohl ist das Gegenteil richtig. Zunächst ist immer darauf hinzuweisen, ob zusätzlich zum ausgewiesenen Bezugspreis noch Versandkosten hinzukommen (also: Bezugspreis xx  Euro zuzüglich Versandkosten) oder ob keine Versandkosten anfallen (also: Bezugspreis xx Euro inklusive Versandkosten).

Fallen Versandkosten an, so müssen diese ebenso exakt ausgewiesen werden wie der Bezugspreis (also: Bezugspreis xx Euro zuzüglich yy Euro Versandkosten). Wird das Printprodukt nicht nur innerhalb der Bundesrepublik versandt, sondern auch ins Ausland und weichen die Auslandsversandkosten von den Inlandsversandkosten ab, so müssen die Auslandsversandkosten ebenfalls genannt werden (also: Bezugspreis xx Euro zuzüglich yy Versandkosten Inland, xx Euro zuzüglich Versandkosten Ausland).

Mit Blick auf die regelmäßig deutschsprachigen Printtitel wird sich der Kreis der Versandländer auf den europäischen Raum und ausgewählte außereuropäische Staaten beschränken, so dass es noch zumutbar ist, für jedes dieser Zustellländer die Auslandsversandkosten, so sie denn differieren, auch getrennt aufzuführen. Unzumutbar wäre es allerdings, die Zustellkosten in ein jedes Land der Welt nennen zu müssen.

Bezogen auf die Bezugspreiswerbung im Internet ist die Rechtsprechung, was die Frage der Platzierung des Hinweises auf die Versandkosten angeht, freizügiger. Es muss nicht bei jedem einzelnen Titel, der innerhalb des Angebotes des Verlages im Internet beworben wird, immer auch der komplette Hinweis auf die Versandkosten erfolgen, sondern es reicht aus, wenn diese Kosten auf einer gesonderten Seite vermerkt sind, sofern sichergestellt ist, dass diese Seite vor (!) Beginn des eigentlichen elektronischen Bestellvorgangs aufgerufen werden muss.

Bei jeder Preiswerbung für den Bezug von Zeitschriften außerhalb des Internets ist es jedoch zwingend, dass im direkten Zusammenhang mit der Angabe des Bezugspreises immer auch ebenso leicht erkennbar und wahrnehmbar darauf hinzuweisen ist, ob zusätzlich Bezugsgebühren erhoben werden und wenn ja, wie hoch sie sind. Der direkte Zusammenhang ist noch gewahrt, wenn die erforderlichen Informationen in einem sogenannten Sternchen­Hinweis erfolgen. Dieser darf jedoch nicht irgendwo versteckt sein und so klein ausfallen, dass er für den potenziellen Abonnenten nicht mehr erkennbar und wahrnehmbar ist. Die Bezugspreise in den AGB der Verlage aufzulisten, dürfte nicht zu empfehlen sein.

Mit der Beachtung dieser Vorschriften wird deutscher Gründlichkeit erneut eine Reverenz erwiesen. Was jedermann ohnehin weiß, dass nämlich bei einem Printmedienabonnement regelmäßig auch noch Zustell­ beziehungsweise Versandkosten anfallen, ist nochmals ordentlich und sauber aufzuschreiben. So kann dann auch die (Abmahn-­) Seele ihre Ruhe finden und die Verlage können sich auf das wirklich Wesentliche konzentrieren, nicht nur Abos zu generieren, sondern auch noch zu (be-­) halten.

2017-08-21T14:14:27+00:00 21. März 2011|0 Comments