Freie Mitarbeiter – wie „angemessen“ vergüten?

Von Rechtsanwalt Dr. Michael Rath-Glawatz, Hamburg

Gemeinhin gehen Zeitschriften-Verlage davon aus, dass sie ihre freien Autoren auskömmlich honorieren. Das Erstaunen ist daher groß, wenn ein Freier erklärt, für Beiträge nicht „angemessen“ vergütet worden zu sein, und Nachzahlung verlangt. Aus dem Erstaunen wird Entsetzen, wenn dabei fünfstellige Beträge fällig werden – was durchaus schon vorkam. Und dies gleich vorweg: Auch wenn ein freier Mitarbeiter erst im Nachhinein ein „angemessenes“ Honorar für z. B. seinen Artikel in einer Sonderausgabe fordert, zieht das Gegenargument des Verlags nicht, dass diese Sonderausgabe dann insgesamt nicht mehr rentierlich sei, weil die Honorarsumme anders kalkuliert wurde.

Könnte das auch Ihrem Zeitschriften-Verlag passieren? Oder wähnen Sie sich in Sicherheit, weil Sie mit Ihren Freien die Honorare vertraglich vereinbart und auch vertragsgemäß abgerechnet haben? Eine trügerische Sicherheit! Denn nach § 32 Abs. 1 Satz 2 UrhG kann der freie Journalist, wenn aus seiner Sicht „die vereinbarte Vergütung nicht angemessen ist“, von dem Verlag „die Einwilligung in die Änderung“ der Honorarvereinbarung mit dem Ziel verlangen, dass er ein „angemessenes Honorar“ ausgezahlt bekommt. Dazu muss der Vertrag mit dem Verlag nicht einmal gekündigt werden; die Anpassung des Honorars erfolgt – so denn der Anpassungsanspruch begründet ist – in dem fortbestehenden Vertragsverhältnis.

Gibt es keine vertraglich vereinbarten Honorarsätze, so gilt nichts anderes: Auch in diesen Fällen können die freien Journalisten selbst im Nachhinein verlangen, dass ein gezahltes Honorar soweit aufgebessert wird, dass es tatsächlich „angemessen“ ist. Damit steht und fällt alles mit der Frage, welches Honorar denn wirklich „angemessen“ ist. Gibt es etwa wie im Tageszeitungssektor „Gemeinsame Vergütungsregeln“ für freie Mitarbeiter, so werden diese von den Gerichten als Richtschnur angesehen, auch wenn der Verlag nicht Mitglied des betreffenden Verlegerverbands ist. Und die „indizielle“ Wirkung dieser Regeln dürfte auch gelten, wenn die Vergütungsregeln gekündigt sind, oder wenn es nicht unmittelbar um die Honorierung von Beiträgen in Tageszeitungen, sondern um Online-Artikel geht.

Dieser „Ausflug“ in die Tageszeitungsbranche soll zeigen, dass die Gerichte dann, wenn es tatsächliche oder auch nur vermeintliche Orientierungspunkte für die Frage der Honorarhöhe gibt, diese selbst dann noch heranziehen, wenn diese Orientierungspunkte „eigentlich“ nicht unmittelbar passen. Insoweit wären etwa die Honorarlisten der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) oder Auflistungen zu nennen, die von den Journalistenverbänden propagiert werden.

Denn die gesetzliche Definition einer „angemessenen Vergütung“ ist eher weniger hilfreich, wenn es in § 32 Abs. 2 Satz 2 UrhG heißt: „ … ist die Vergütung angemessen, wenn sie im Zeitpunkt des Vertragsschlusses dem entspricht, was im Geschäftsverkehr nach Art und Umfang der eingeräumten Nutzungsmöglichkeiten, insbesondere nach Dauer und Zeitpunkt der Nutzung, unter erücksichtigung aller Umstände üblicher- und redlicherweise zu leisten ist.“ Gibt dies Verlagen wirklich Orientierung? Was also tun? Zunächst einmal gilt folgende Grundregel: Je mehr Rechte der freie Mitarbeiter eingeräumt hat, je mehr Rechte der Verlag tatsächlich nutzt, umso höher muss ein Honorar ausfallen, soll es denn „angemessen“ sein. Überlegen Sie also vorab gründlich, welche Rechte Sie sich von den freien Mitarbeitern einräumen lassen: Brauchen Sie tatsächlich ein Exklusivrecht oder das Erstveröffentlichungsrecht? (Wer sich „zu viele“ Rechte einräumen ließ, kann sie auch zurückgeben).

Wie aber kann der Verlag sicher sein, dass er „angemessene“ Honorare zahlt, weil sie dem entsprechen, was „üblicherweise“ gezahlt wird? Schauen Sie über den eigenen Tellerrand und ermitteln Sie möglichst „gerichtsfest“ (also belegbar), was „man so an Honoraren zahlt bzw. erhält“. Orientieren Sie sich dann nicht am untersten Level dieser „einschlägigen“ Honorarhöhen – sondern an der „goldenen Mitte“. Gehen Sie dabei unter „Berücksichtigung aller Umstände“ vor. Und dies können nur die Umstände des jeweils zu entscheidenden Einzelfalls sein. Daher können sich zulässigerweise die Honorare von Objekt zu Objekt – auch innerhalb eines Verlages – unterscheiden. Hinzukommt, dass die Höhe des Honorars „üblicherweise“ neben dem Kriterium der Auflage des Objekts, seiner Finanzierung/Wirtschaftlichkeit (anzeigen- und/oder vertriebsfinanziert), auch von der subjektiven Einschätzung über die Güte/Qualität des Beitrages und des „Namens“ des Autors abhängig ist („Edelfedern“ bekommen mehr).

Abschließend noch der Hinweis, dass begründete Nachzahlungsforderungen erst nach Ablauf von drei Jahren verjähren, wobei die einzelnen Verjährungsfristen immer mit dem Ende des Jahres zu laufen beginnen, in dem der Honoraranspruch entstanden ist. ●


Dieser Beitrag istin Printform Mitte Dezember 2018 bereits in der impresso 04_2018 erschienen.

2019-01-29T14:14:19+00:00 29. Januar 2019|

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