Digitale Helferlein

Neben Redaktionssystem, Internet-Browser und E-Mail-Programm gibt es viele viele nützliche Tools, die die Arbeit von Journalisten einfacher machen können. In diesem Beitrag stellen wir einige der besten aktuellen Must-haves für die schreibende Zunft vor.

Von Sebastian Brinkmann, www.journalisten-tools.de

Zeitdruck war immer ein Thema für Journalisten. Heute muss häufig noch die digitale Welt bespielt werden – wie gut, dass diese auch hilfreiche Tools bereithält, um das Aufgabenpensum strukturiert, effizient und professionell anzugehen. Es gibt sie für viele Bereiche des journalistischem Alltags: fürs Info-Sammeln bis hin zum Foto-Post.

Digitale Notizbücher

Journalisten müssen im Alltag Informationen aus diversen Quellen sammeln, auswerten und archivieren. Die meisten sammeln alles in papiernen Notizbüchern, die sie in der Schreibtisch-Schublade aufbewahren – haben dann aber kaum eine Chance, das so wichtige Zitat wiederzufinden, was sie jetzt in einem Beitrag gut verwenden könnten.

Hier kommen hilfreiche Tools wie Evernote, Microsoft OneNote oder NoteStation ins Spiel: Diese digitalen Notizbücher können fast jede Information aufnehmen, die sich digitalisieren lässt und helfen enorm beim Wiederfinden. Internet-Seiten, PDF- oder Word-Dokumente, Bilder, getippte Notizen, aber auch Fotos oder handschriftliche Notizen lassen sich so speichern und sind dank Cloud-Synchronisation nicht nur im Büro, sondern auch unterwegs per Smartphone oder Tablet abrufbar. Marktführer in dem Bereich ist Evernote. Aber die US-Firma lässt beim Entwicklungstempo merklich nach, während Microsoft bei OneNote Gas gibt. Wer seine Daten aber partout nicht in einer öffentlichen Cloud speichern möchte, der kann sich stattdessen eine Netzwerkfestplatte von Synology kaufen und dort die App NoteStation installieren. Vom Leistungsumfang hinkt die zwar noch hinterher, holt aber auf.

Marktführer Evernote ist in der Basis-Version kostenfrei, funktioniert dann aber nur auf zwei Geräten. Wer mehr Funktionen braucht – zum Beispiel den Offline-Zugriff auf die Notizen, den Zugriff auf unbegrenzt vielen Geräten oder die Möglichkeit, Notizen mit Freunden oder Kollegen zu teilen – kann dafür den Plus- oder Premium-Tarif buchen. Der kostet 30 bzw. 60 Euro im Jahr.

Auch OneNote von Microsoft ist kostenfrei. Wer seine Daten aber in der Cloud speichern möchte und dafür mehr als 5 GByte Platz braucht, zahlt 2 Euro im Monat für 50 GByte. Nutzer von Office 365 bekommen jedoch bereits mindestens 1 TByte Speicherplatz auf Microsoft-Servern. Office 365 ist die aktuelle Version der bekannten Büro-Software Microsoft Office, die künftig auch in der Cloud funktioniert.

Für handschriftliche Notizen gibt es zwei Möglichkeiten, um sie in Evernote und Co. zu speichern: Entweder die Papierseiten werden einzeln abfotografiert (ideal dafür: Scannable oder Scanbot) oder es wird gleich mit einem Stift auf das Tablet-Display geschrieben. Der Autor dieses Beitrages hat viele dieser Stifte ausprobiert. Sein Favorit wurde der Apple Pencil, der jedoch nur in Verbindung mit dem iPad Pro funktioniert. Klar, zu Beginn ist es ungewohnt, auf einer Glasscheibe zu schreiben, aber es lohnt sich: Alle Notizen werden gleich digital gespeichert. Nach einem Gespräch stehen die digital zur Verfügung. So lassen sich Texte viel bequemer und
schneller verfassen.

Diktiergerät-Apps

Wer schon länger im Journalismus arbeitet, wird sich an die kleinen Bandgeräte erinnern, bei denen man die Kassetten regelmäßig drehen oder ersetzen musste. Auch das machen Apps heute überfüssig.

Cogi (für iOS und Android, kostenfrei) zeichnet nicht das komplette Gespräch auf, sondern speichert auf Knopfdruck die 15 Sekunden vor dem Knopfdruck und bis zum erneuten Tab auf den großen Button. Klarer Vorteil: Statt nach einem mehrstündigen Interview viel Zeit mit dem Abhören verbringen zu müssen, können Journalisten mit Cogi die wichtigsten Passagen aufzeichnen.

Wer Telefonanrufe aufzeichnen möchte, muss etwas tiefer in die Trickkiste greifen: Da Apple es nicht erlaubt, Telefonanrufe direkt mitzuschneiden, schalten Apps wie TapeACall eine Art Dreier-Konferenz, um das Gespräch mitzuschneiden. Diese Dreier-Konferenz muss über Server des Anbieters laufen, deshalb verlangt zum Beispiel TapeACall 20 US-Dollar (rund 17 Euro) pro Jahr für diesen Service. Immerhin gibt es für die Dreier-Konferenz dann eine deutsche Festnetznummer. Leider wird die Android-Version von TapeACall seit 2015 nicht mehr weiterentwickelt.

Affinity Photo – fast wie Photoshop, aber deutlich günstiger

Photoshop ist ohne Zweifel die Standard-Software für Designer und Fotografen. Adobe lässt sich dies aber gut bezahlen: Kaufen kann man Photoshop nicht mehr, sondern nur mieten und das für 24 Euro pro Monat, also 288 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Affinity Photo kostet 55 Euro – einmalig! Und die Software, die es für Windows und Mac gibt, ist laut vieler Testberichte Photoshop auf den Fersen. Auf der Website von Serif.com kann man eine kostenfreie 30-Tage-Testversion herunterladen, um sich selbst ein Bild von der Software zu machen. Affinity Photo gibt es auch fürs iPad, dort kostet die App sogar nur 22 Euro – einmalig natürlich.

LumaFusion

Wer als Mobile-Reporter unterwegs ist, möchte seine Filme am liebsten direkt auf dem iPad schneiden. Einsteiger können dafür iMovie von Apple benutzen–auch weil es kostenfrei ist. Wer aber höhere Ansprüche hat, der sollte 22 Euro in LumaFusion investieren. Die App erlaubt die Bearbeitung von drei Video- und drei zusätzlichen Audio-Spuren und das Einsetzen des eigenen Sender-Logos–was iMovie nicht unterstützt.

Fertige Videos lassen sich direkt zu YouTube oder zu Dropbox, Google Drive, One Drive oder iCloud Drive hochladen. Leider gibt es von dieser App keine Testversion und es gibt LumaFusion auch nicht für Android. Ohnehin empfiehlt es sich zuvor die zahlreichen Erklär-Videos von Hersteller Luma Touch auf YouTube zu gucken.

Buffer: Social-Media-Posts aus der Warteschlange

Gerade für kleinere Redaktionen ist es oft schwierig, regelmäßig Beiträge in den Sozialen Netzen zu veröffentlichen. Genau da hilft Buffer, denn die App erlaubt es, Beiträge für Facebook, Twitter, LinkedIn, Instagram, Pinterest und Google Plus in Warteschlagen zu schieben. Zu festgelegten Zeitpunkten — die dann pro einzelnem Social-Media-Account eingestellen werden können – wird der jeweils oberste Beitrag aus der Warteschlange veröffentlicht.

Auf Knopfdruck lassen sich erfolgreiche Beiträge erneut in die Warteschlange einordnen. Wer allerdings wissen möchte, welche Beiträge gut ankommen, der muss zahlen. Kostenfrei können Kunden dennoch bis zu drei Social-Media-Accounts befeuern und zehn Beiträge in die Warteschlange setzen. Zehn Accounts und 100 Beiträge in der Warteschlange gibt es im – typisch amerikanisch benannten – Awesome-Plan für 10 US-Dollar im Monat, umgerechnet rund 8,30 Euro. Wenn mehrere Kollegen mit unterschiedlichen Zugangsberechtigungen Buffer nutzen sollen, kostet das ab 99 US-Dollar pro Monat.

Pablo und Spark: schöne Fotos für den Social-Media-Post

Facebook– und Twitter-Beiträge mit einem schönen Foto sind sichtbarer und lösen deshalb mehr Likes bzw. Klicks aus. Doch wie kann man schnell ein gutes Foto erstellen, wenn kein Designer greifbar ist? Dienste wie Pablo (von Buffer) oder Adobe Spark helfen: Mit ihnen kann man aus einer breiten Palette an Bildern auswählen oder ein eigenes Foto hochladen, gestalten und direkt in der richtigen Größe herunterladen, um es dann zu posten. Wer es einfach mag, dem sei Pablo empfohlen: Das Browser-Tool funktioniert ohne Anmeldung, bietet Zugriff auf mehr als 600.000 Bilder und ist sehr einfach zu bedienen. Adobe Spark bietet deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten, verlangt aber eine kostenfreie Anmeldung mit einem Adobe-Account. Dafür kann der Anwender die Bilder nicht nur im Browser gestalten, sondern auch in einer iOS- sowie Android-App.

Todoist: die Aufgaben-Liste, die Spaß macht

Selbstverständlich können Aufgaben-Listen auch auf Papier gepflegt werden, aber übersichtlicher wird es mit Tools wie ToDoist. Der Clou: Dank Cloud-Synchronisation ist es egal, wo man seine Aufgaben erfasst oder als erledigt markiert. Todoist läuft im Browser, unter Windows, Mac, Android, iOS sowie als Plugin in Chrome, Firefox und Safari. Aufgaben können Projekten zugeordnet werden und bekommen eine Priorität.

Jeden Tag sieht der Nutzer so, was die wichtigste Aufgabe des Tages ist und was mit Prio 2, 3 oder auch nur 4 erledigt werden soll. Motivierend wirkt, dass Todoist für jedes Abhaken einer Aufgabe Karma-Punkte vergibt und der Anwender so motiviert wird, das Tool intensiver zu benutzen.

Am Ende der Woche sollte der wohlorganisierte Journalist  seine Aufgaben für die nächste Woche sichten. Dann gilt es – je nachdem, welcher Tag mehr Luft im Kalender hat – die Jobs am Freitag auf die kommenden Tage verteilen. Idealerweise sind dann alle Aufgaben platziert und die Freizeit kann kommen. Es mag banal klingen, dass mit Todoist überall Aufgaben erfasst werden können, aber genau das macht den Kopf frei: Egal ob unterwegs, im Meeting oder im Supermarkt, jederzeit kann man Aufgaben, die einem gerade durch den Kopf schießen, aufschreiben und dann auf Projekte und Tage verteilen sowie priorisieren. So schwirren solche Aufgaben nicht weiter im Kopf rum.

Todoist kostet in der Basis-Version nichts. Wer die Premium-Funktionen nutzen möchte, zahlt 32 Euro pro Jahr. Dafür kann der User dann 200 statt 80 aktive Projekte nutzen und Aufgaben mit Etiketten und Erinnerungen ergänzen sowie Aufgaben per E-Mail hinzufügen. Letzteres ist durchaus praktisch, wenn man mal an einem anderen Rechner sitzt und sich selbst schnell eine Aufgabe schicken möchte. Todoist Business ermöglicht die Aufgaben-Verwaltung im Team und kostet pro Mitarbeiter und Jahr auch 32 Euro.

Chatten im Team mit Slack, Stride oder Microsoft Teams

Hand aufs Herz: Wie viele E-Mails schicken Sie Ihren Kollegen pro Tag? Viele? Genau das ist das Problem, weil das Postfach überläuft und jeder nach dem Urlaub viele E-Mails löschen muss, die sich längst erledigt haben. Erleichterung versprechen Chat-Tools wie Slack, Stride oder Microsoft Teams.

Anders als Facebook-Chat und WhatsApp reden Sie hier mit einer geschlossenen Benutzergruppe, also den Kollegen. Das läuft in verschiedenen virtuellen Räumen, die für alle oder bestimmte Kollegen zugänglich sind. Der Vorteil: Jeder kann jederzeit sehen, was in welchem Raum gerade besprochen wird, kann reagieren und das auf fast jedem Gerät, mit dem täglich gearbeitet wird.

Und natürlich lassen sich so nicht nur Texte teilen, sondern auch Dateien aller Art. Alle genannten Tools erlauben eine schnelle Suche in älteren Nachrichten, so dass keine gute Idee verloren geht.

Die bekannteste Software ist Slack. Recht frisch ist Stride von der Firma Atlassian, die Projektmanagement-Tools wie Jira und Confluence anbietet. Auch Microsoft mischt in diesem Bereich mit und zwar mit Microsoft Teams. Wer also in seinem Haus eh Office 365 einsetzt, kann Microsoft Teams kostenfrei benutzen.

Ähnlich wie Evernote und Todoist setzen auch Slack und Stride auf ein so genanntes Freemium-Modell: Die Basis-Funktionen sind umsonst. Wer mehr Features nutzen möchte, muss bezahlen. Slack verlangt je nach Funktionsumfang 6,25 Euro bzw. 11,75 Euro pro Monat und Anwender, während Stride nur 3 Euro pro Monat berechnen möchte. ●

Dieser Artikel erschien bereits in der impresso 1_2018 (März 2018).

2018-04-20T09:17:15+00:00 29. März 2018|

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