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Als Vertriebsdienstleister für Presseprodukte verfügen Nationalvertriebe über fundiertes Know-how bei der Auslieferung an Grosso und Bahnhofsbuchhandel. Doch wie finden Verlage den richtigen Vertriebspartner?

Von Patrick Priesmann, SZV-Geschäftsführer, Stuttgart

Nationalvertriebe sind Dienstleister, die für Verlage die kompletten vertrieblichen Aktivitäten übernehmen können: Markteinführungen, Versandplan bzw. -unterlagen, Verkaufsdatenverarbeitung, Fakturierung, Verkaufsauswertung und Vertriebsmarketing. So bieten sie ausgesprochene Fachkompetenz und erreichen zahlreiche logistische Synergieeffekte. Davon profitieren auch die von ihnen betreuten Verlage – ob groß oder klein. Bei der Auswahl des richtigen Vertriebspartners gilt es für Zeitschriftenverlage jedoch diverse Punkte zu beachten.

Die Qual der Wahl

Zeitschriftenverlage, die sich nach einem neuen Vertriebspartner umsehen oder Newcomer, die für die erstmalige Auslieferung ihrer Zeitschrift einem externen Vertriebspartner suchen, vergleichen üblicherweise die Angebote mehrerer Dienstleister. Das Ziel ist zumeist: möglichst viel Qualität zu möglichst niedrigem Preis. Um böse Überraschungen zu vermeiden, gilt es dabei aber folgende Punkte zu beachten.

1.) Speditionskosten

Die Beauftragung einer Spedition macht einen großen Teil der Dienstleistungen eines Nationalvertriebs aus. Entsprechend hoch kann der Kostenblock ausfallen. Lassen Sie sich als Verlag eine detaillierte Auflistung aller anfallenden Kosten geben – für die Anlieferung, aber auch für Zusatzkosten wie Autobahnmautgebühren oder Treibstoffzuschüsse. Weitere Auslieferungskosten können entstehen, wenn die sogenannte Vorholung in Rechnung gestellt wird. Dabei handelt es sich um Kosten, die anfallen, wenn die Ware von der Spedition abgeholt werden muss und nicht – wie üblich – durch die Druckerei an die Spedition geliefert wird. Noch nicht berücksichtigt sind hier die etwaigen Zahlungen für die Kommissionierung.

Um es kurz zu machen: Der Kostenvoranschlag sollte alle Positionen wie Vorholung, Auslieferung an den Handel, etwaige Maut- oder Treibstoffzuschläge und Kommissionierungskosten berücksichtigen – nur so ist ein Angebotsvergleich möglich.

2.) Vertriebsaußendienst

Oftmals rechtfertigen Nationalvertriebe anfallende Kosten auch mit den Leistungen des Vertriebsaußendienstes. Dieser sucht die Zeitschriftenhändler auf und achtet auf die Präsentation der durch den Nationalvertrieb betreuten Titel und die Auslage im Regal der Verkaufsstelle. Zudem besucht er die regionalen Bahnhofsbuchhändler und Grossisten und spricht dort die einzelnen Zeitschriften an. Die Rolle des Außendienstes ist jedoch weniger wichtig als gemeinhin angenommen, bleibt doch für die Betreuung einzelner Zeitschriftentitel in der Regel nur sehr wenig Zeit. Zudem verfügen auch Grossisten über einen eigenen Außendienst, der für die Verlage bei Bedarf tätig werden kann.

3.) Marktmacht

Haben größere Nationalvertriebe mehr Marktmacht als kleine? Nein, denn dann wäre die Pressefreiheit in Gefahr. Da es sich bei den Grossisten um Gebietsmonopolisten handelt, sind sie vom Gesetz her verpflichtet, alle Lieferanten gleich zu behandeln. Und so verpflichtet sich der Presse-Grosso „alle Verlage als auch die von ihm belieferten Einzelhändler prinzipiell gleich zu behandeln. Er stellt den freien Marktzutritt aller Anbieter sicher und sorgt für die Überallerhältlichkeit der Ware.“ Also auch in diesem Themengebiet ist die Größe kein Kriterium.

4.) Das Kleingedruckte

Zuletzt noch ein Hinweis auf das „Kleingedruckte“: die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Sie ergänzen individuelle Vertragsvereinbarungen und sind fester Bestandteil der Zusammenarbeit. Entsprechend sollten auch sie bis ins Detail überprüft werden, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Der Partner Ihres Vertrauens

Basis für eine Entscheidung ist stets der Vergleich mehrerer Angebote. Pauschale Aussagen wie, dass Nationalvertriebe mit einem großen Konzern im Rücken besser agieren als unabhängige Dienstleister, sind schwer zu belegen. Was am Ende zählt, ist das individuell zugeschnittene Gesamtpaket. ●

 


Dieser Beitrag ist zuvor bereits in der Printausgabe der impresso 02/2019 erschienen.

2019-07-17T13:16:20+00:00 17. Juli 2019|

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