Die Medienhäuser werden es nicht mehr länger ignorieren können: Der Online­-Dienst für Fotos und Videos Instagram hat sich zu einem relevanten Social-­Media­-Kanal gemausert. Noch zögern vor allen Dingen kleinere Verlage einzusteigen. Dabei bietet Instagram hoch­effiziente Möglichkeiten für die Kunden­ und Leseransprache – auch mit kleinem Budget.

Von Peter Welchering

Ungefähr alle sieben Minuten greifen jüngere Smartphone­ Besitzer zu ihrem Handy. Sie wollen erfahren, was in ihrem Bekanntenkreis und in der Welt gerade los ist. Und dabei sind sie vor allen Dingen an visueller Kommunikation interessiert. Fotos und Videos stehen deshalb hoch im Kurs.

teaser_instagramInstagram hat sich mit neun Millionen Nutzern in Deutschland und 400 Millionen registrierten Anwendern weltweit als ziemlich wichtiger Spieler im Social-­Media-­Wettbewerb um das Visuelle etabliert. Von seinen Gründern Kevin Systrom und Mike Krieger als Plattform für das Teilen von Fotos aufgebaut, kann Instagram inzwischen zwar auch Videos distribuieren. Doch das Fotogeschäft macht immer noch den Hauptteil aus.

Und wie alle Social­-Media­-Plattformen hat auch Instagram ziemlich rasch Eingang in den Social­-Media­-Mix professioneller Kommunikationsspezialisten gefunden. Ein Bild sagt nun mal mehr als tausend Worte, heißt es. Und mit den entsprechenden Bildunterschriften lässt sich damit eine Menge Zusatznutzen transportieren.

Viele Markenartikler nutzen deshalb Instagram als Plattform, um neue Produkte vorzustellen und rund um ihre eingeführten Produkte Communities aufzubauen. Zwar gilt Instagram bei den meisten Social-­Media-­Profis immer noch als Ergänzung zum Facebook­-Auftritt und zur Kommunikation auf Twitter. Aber Instagram hat sich inzwischen den Ruf einer unentbehrlichen Ergänzung sichern können.

Die Social­-Media-­Manager von ZDF und Deutschlandfunk nutzen Instagram sogar als Nachrichten­Plattform. Sie reichern Fotos, zum Beispiel von den Landtagswahlen in Baden­-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen­-Anhalt mit aktuellen Hochrechnungen oder Wahlergebnissen an und stellen sie auf Instagram ein. Damit erreichen sie sogar die von ihrer Mentalität her eigentlich eher nachrichtenferneren Smartphone­-Nutzerkreise. Und so mancher schaltet sich dann ins laufende Programm ein.

Bewährt hat sich beim Deutschlandfunk auch, Zitate bekannter Politiker und anderer Prominenter Zeitgenossen via Instagram zu verbreiten. Die übergreifende Kommunikationsstrategie verfolgen die Radiomacher des DLF schon viele Jahre unter dem Titel „… sagte im Deutschlandfunk“ – auch mit solchen eher traditionellen Mitteln wie Pressemeldungen und ­-mitteilungen. Da hat sich Instagram natürlich als weiterer Distributionskanal im Rahmen dieser Strategie sofort angeboten. Das Umzusetzen erfordert auch keinen großen Aufwand. Denn ein Porträtfoto des Statementgebers, der da etwas im Deutschlandfunk gesagt hat, liegt in der Regel bereits vor. Das Zitat wird dann einfach in das Foto einmontiert.

Buchverlage werben auf Instagram gern mit Cover­-Fotos ihrer Neuerscheinungen, die wahlweise mit Bewertungen bekannter Leser oder kleinen Leseproben aus einzelnen Kapiteln angereichert sind. Für Zeitschriftenverlage bieten sich da ganz unterschiedliche Werbe-­ und Kommunikationsmöglichkeiten an. Natürlich lässt sich gut mit der Titelseite der neuen Ausgabe für die aktuelle Zeitschriftennummer werben. Aber auch der Hinweis auf einzelne Artikel aus dem Heft kann einen guten Kommunikationseffekt erzielen. Sehr gute Erfahrungen haben Redakteure bisher gemacht, wenn sie das Aufmacherbild eines einzelnen Beitrags um den konkreten Nachrichten­- oder Nutzwert als Kurztext angereichert und auf Instagram eingestellt haben.

Wie bei allen Social­-Media-­Kanälen bringt auch bei Instagram erst die Vernetzung mit anderen Kanälen so richtigen Erfolg. Auf dem eigenen Verlagsportal darf deshalb die Verlinkung zum Instagram­-Account nicht fehlen. Auf Twitter und Facebook muss auch über die neuen Nachrichten und Aktivitäten auf Instagram berichtet werden. Die Redaktion von heute.de twittert zum Beispiel regelmäßig über ihre Aktivitäten auf Instagram. Der Hinweis auf News auf Facebook oder Twitter via Instagram belebt übrigens auch das Geschäft der Verlage auf diesen Plattformen. Viele Fotos, die via Twitter und Facebook ohnehin verbreitet werden, lassen sich auf Instagram noch einmal elegant und ohne großen Aufwand zweitverwerten. Lediglich die Bildunterschrift sollte sich natürlich von der auf Facebook oder Twitter unterscheiden.

Verlagsmanager schrecken vielfach noch vor dem Engagement auf Instagram zurück, weil es sich hier tatsächlich um einen typischen reinen Smartphone­-Dienst handelt. Der PC ist auf den ersten Blick außen vor. Und das macht Instagram etwas sperrig für den Einbau in den Kommunikations­-Workflow, der in Verlagen in aller Regel noch deutlich PC-­basiert ist. Nicht einmal ein Account lässt sich bei Instagram direkt vom PC aus anlegen. Dafür muss eine App aus dem Apple Store oder von Google Play heruntergeladen werden. Mit einem kleinen Trick lässt sich das allerdings unkompliziert in den PC-­basierten Workflow einbinden.

Gute Dienste leistet hier nämlich der Blue Stacks App Player für den PC oder Mac. Der simuliert ein Android-­Betriebssystem auf dem Schreibtischrechner und erlaubt so nicht nur dem PC-­Nutzer, einen Account auf Instagram anzulegen, sondern auch Bilder vom PC aus hochzuladen. Nur eines muss dabei beachtet werden: Vor der Arbeit auf Instagram muss der Blue-­Stacks-­Player aufgerufen werden. Den gibt es als kostenlosen Download im Netz. Jedoch nimmt man bei der Kostenlos-­Version dann auch Werbung für andere App­-Downloads in Kauf. Die lässt sich aber in der Regel schnell überspringen oder wird recht unauffällig am unteren Rand des Bildschirms angezeigt.

An die Arbeit mit dem Blue-­Stacks-­Player gewöhnt sich auch ein wenig Smartphone­affiner PC­-Anwender schnell. Einfacher lässt sich Instagram natürlich direkt vom Smartphone aus mit Fotos und Videos beliefern. Allerdings empfinden hier viele Anwender die Integration von Text mit den Foto­-Apps fürs Smartphone als etwas umständlich. Doch für die Aktuell­-Berichterstattung zum Beispiel von Konferenzen oder Messen ist das Smartphone als Produktionsgerät unschlagbar. Allerdings sieht man bei solchen aktuellen Anwendungen durchaus, dass auf das Einklinken von Texten direkt ins Bild verzichtet und stattdessen nur die Bildunterschrift auf Instagram genutzt wird. Dennoch sollte auch in der Aktuell­-Berichterstattung auf Instagram stets der Bezug und Link zum Kernmedium, also zur Zeitschrift oder anderen Print­-Produkten, gesetzt werden. Erst dann entfaltet der Kommunikationskanal Instagram so richtig Wirkung im Sinne des Verlagsmarketings.

So kommt der Text ins Bild

Bildunterschriften sind gerade bei Foto­ und Videodiensten wie Instagram unglaublich wichtig. Aber sie sind nicht die einzige Möglichkeit, Text-­Information über diese Social-­Media-­Plattform zu verbreiten.

Insbesondere bei Zitaten empfiehlt sich der direkte Einbau des Statements ins das Porträtfoto. Das lässt sich mit der Textfunktion bei Photoshop gut bewerkstelligen. Bei längeren Texten allerdings finden nicht wenige Anwender die Photoshop-­Funktion zu aufwändig.

Als regelrechtes Geheimwissen wird da der Umweg über Powerpoint und ein Bildschirmfoto in vielen Redaktionen gehandelt. Diese Produktionsstrategie erstaunt zunächst. „Durchs Knie ins Auge geschossen“, ließe sich die Vorgehensweise mit einem alten Motto beschreiben. Doch ist dieser scheinbare Umweg nicht nur viel geübt, sondern auch recht effizient. Denn damit lassen sich verschiedene Layout-­Vorlagen für unterschiedliche Ressorts, Bereiche oder Stilformen leicht verwalten. Auch die Arbeit mit Standardfotos, um den reinen Text etwas fluffiger zu präsentieren, wird dadurch erleichtert.

Das Rezept dafür ist denkbar einfach:

Das Foto wird in Powerpoint geladen und als Grafik in den Hintergrund geschoben. Danach wird ein Textfeld eingefügt und der entsprechende Text über diese Funktion direkt auf das Foto geschrieben. Die so erstellte Powerpoint-­Folie wird als Screenshot im JPEG­-Format abgespeichert und weist eine für die Arbeit mit Instagram erfreulich geringe Dateigröße auf. Das Bildschirmfoto kann dann über den Blue­-Stacks-­App-­Player direkt auf den Instagram­-Account hochgeladen werden.

Erschienen in impresso 2/2016[/fusion_text]

Foto: kaetana/Shutterstock