Big Data – ein großes Thema in Zeiten der Digitalisierung – auch für Verlage. Doch oft fehlt es an der richtigen Umsetzung. Hier kommt IDG Media ins Spiel.

Auf der SZV Jahrestagung am 29. September 2015 in Stuttgart, referierte Michael Beilfuß, Mitglied der Geschäftsleitung von IDG Business Media, zum Thema „Neue Produkt- und Vermarktungsstrategien – Big Data in der Verlagspraxis“.

IDG Business Media gehört zu den führenden Verlagen, wenn es darum geht, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die auf der umfassenden Analyse von Kunden- und Leserdaten basieren. Statt weiter Redakteure einzustellen wie es sich für einen klassischen Verlag gehört, setzt das Medienunternehmen mit den amerikanischen Wurzeln voll auf die Zunft der IT-Entwickler. Developer, Developer und nochmals Developer heißt das Motto bei der Personalsuche. Eine Vorgehensweise, die Beilfuß auch anderen Verlagen empfiehlt.

Der Grund: Verlagen bunkern auf ihren Servern massenweise Nutzerdaten. Doch oftmals sind diese unkoordiniert auf etlichen Datenbanken quer über das Unternehmen verstreut. Die wenigsten Manager kamen bislang auf die Idee, alle diese Informationen zu bündeln, sie einheitlich zu strukturieren und zu analysieren. Ein Fehler – denn so entgehen Verlagen unzählige Umsatzpotenziale.

Andere Branchen sind da weiter. Sie nutzen ihre Kundendaten schon stärker als es der Verbraucher ahnt. Wenn Sie beispielsweise Ihr Hotelzimmer über ein Internetportal gebucht haben und sich anschließend auf genau diesem über die mager bestückte Minibar im Hotelzimmer beschwert haben, so wundern Sie sich nicht, wenn bei Ihrer nächsten Buchung, in einem ganz anderen Hotel, die Bar besonders liebevoll und reichhaltig ausgestattet ist. Auch das ist Big Data.

Warum ist Amazon der erfolgreichste Einzelhändler der Welt? Nicht weil er an jeder Straßenecke ein attraktives Geschäft eröffnet hat, sondern weil er Daten sammelt und sie erfolgreich verwertet. Deshalb weiß Amazon schon bevor Sie es wissen, welches Buch Sie gerne als nächstes lesen möchten und bietet es Ihnen an. Geben Sie es zu: Auch Sie sind schon schwach geworden und haben einem Bedürfnis, das erst durch Amazon geweckt wurde, nachgegeben. Stimmt’s?

Warum also nicht den gleichen Ansatz nutzen, um das Themeninteresse der Leser abzufragen und die redaktionellen Inhalte auf Basis der konkreten Informationsbedürfnisse des Großteils der Leser auszurichten? Oder Werbungtreibenden die Ansprache derjenigen Leser / Nutzer zu ermöglichen, die sich gerade in diesem Moment für deren Produkt interessieren? Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.

In seinem Vortrag warnt Michael Beilfuß davor, die Bedeutung von Technologie für unsere Branche zu unterschätzen. „Aus einem neuen Technologieverständnis heraus müssen neue Geschäftsmodelle geschaffen werden.“ Die Kernaufgabe der IT-Abteilung sei es, neue Digitalisierungsmodelle zu entwickeln. Daten sollten als Schatz und nicht als Ballast begriffen werden, nur dann kann mit diesen Daten erfolgreich agiert werden. Denn Daten, so sagt Beilfuß, sind nicht nur technologische Blasen, sondern sie bilden die Realität ab: Die Lebensrealität der Leser, den Bedarf des Kunden. „Der Rohstoff von Big Data sind die Menschen und erst die Daten machen die Menschen analysierbar.“

Die Botschaft von Michael Beilfuß an seine Zuhörer lautet: „Behandeln Sie Ihre Daten wie einen Schatz! Nutzen Sie sie und entwickeln Sie damit neue Produkte. Ohne die Leser wirklich zu kennen können Sie nicht wissen, was diese brauchen. Vermutungen führen nicht weiter. Das Ziel muss sein, mit weniger Content mehr Content-Reichweite zu schaffen. So steigern Sie ihre Wettbewerbsfähigkeit. Dann lohnt sich das Geschäft“.

Allein mit Daten geht es jedoch nicht, so Beilfuß. Es bedarf auch ein wenig verlegerischer Weitsicht. Das ist doch ein Trost.